Wir sind hier um uns einander durch's Leben zu helfen

  - das nennt man miteinander. Hugh Prate

"Krisen sind Weichenstellungen des Lebens"  - Wo geht die Reise hin? 

Um in diesem gewaltigen Szenario irgendwie klar zu kommen, brauche ich eine Neu-Ordnung, zumindest innerlich.  Vielleicht gelingt es mir ein stück weit durch dieses "Krisen-Tagebuch".  Wer mag, darf mich gerne begleiten. 

Donnerstag 2. April 2020

Seit fast drei Wochen werden wir "beschränkt".  Wie lange noch? Wir werden getrennt von unseren Familien, Angehörigen, Freunden und sozialen Netzwerken. Bei Zuwiderhandlungen drohen Bußgelder und mehr. 

Angst an allen Ecken und Enden.  Menschen vereinsamen in ihren Wohnungen. Diese erzwungene Konfrontation mit sich selbst stellt  eine enorme Herausforderung und psychische Belastung dar, deren Auswirkungen wir vermutlich  noch zu spüren bekommen. Die Gesundheitsförderlichkeit stelle ich in Frage. 

Meine Gefühlswelt gleicht einer Achterbahn. Es macht sich zeitweise eine Art von Egalität breit, die mir Sorge macht. Was macht eigentlich noch Sinn? 

Dann diese unzähligen offenen Fragen. Jeden Tag kommen neue dazu wie beispielsweise: Wo kommen plötzlich all die Gelder für die "Hilfspakete" her?  Vorher war für nix Geld da.  Dies und vieles andere fördern keineswegs mein Vertrauen in die politische Führung.  Eher das Gegenteil passiert. Unzählige Spekulationen und Gerüchte tragen ihres dazu bei. Wo geht die Reise hin? 

 

Sonntag 29. März 2020

... der gestrige Tag stand voll im Schatten des Dunklen. Habe mal wieder zu viel Nachrichten zu gelassen und prompt hat mich die "Horror"-Welle erfasst.  Der ganze globale Wahn-Sinn  brachte mich an den Rand zur Depression. Da half nur noch ein Notfallablenkungsprogramm. Raus in die Natur, eine Flasche Wein und ein banales Komputerspiel.

Heute ist "Nachrichten-Fasten-Tag". :-)  Ich lege meine Aufmerksamkeit auf meinen höchstpersönlichen Alltag - meine kleine Welt. Erledige anstehende Arbeiten und schaue planend in die Zukunft.  Diese Zeit hat auch ihr Positives. Die Natur kann spürbar durchatmen. Wälder und Wiesen sind weitgehend störungsfrei.  Die Luft ist sauberer und klarer.  Es findet sich wesentlich weniger Müll an den Straßenrändern....  Eine liebe Freundin schickte mir diesen Song: https://www.youtube.com/watch?v=ctL-QmMKrFI  

 

Freitag 27. März 2020 

Mein Gefühlsleben ist wahrlich alles andere als ausgeglichen. Es geht auf und ab. Die meiste Zeit fühle ich mich wie in Watte gehüllt. Es dringt nichts wirklich durch - weder das eine noch das andere.  Ich funktioniere irgendwie... Zwischendrin überkommen mich Gefühle des innerlichen Gelähmt-Seins und der Dumpfheit. Keinen Antrieb etwas in Angriff zu nehmen. Eine gewisse Art von Sinnlosigkeit macht sich breit. Dazwischen tauchen dann noch unterschiedlichste Ängste auf. 

Die Nachrichtenflut ist weiterhin unglaublich. Sie findet sich auf allen Kanälen zu jeder Zeit. Die meisten sind dramatisch emotional. Facebook erspare ich mir schon seit Tagen. Auch über WhatsApp kommt alles mögliche und unmögliche.... Ich kann den Wahrheitsgehalt der Nachrichten nicht mehr einschätzen. Jede beansprucht die Wahrheit für sich. Unzählige unterschiedliche Wahrheiten. Das ist doch alles komplett ver-rückt. 

Öffentliche und private Sender überbieten sich  mit  Statistiken und Zahlen, die sich stündlich dramatisch ändern. Ein Kampf um Einschaltquoten???  Dazu gibt es tonnenweise sinnfreie Informationen, wie z.B. das Tom Hanks in Quarantäne ist.  Wen interessiert das? Diesen Nachrichtenmüll empfinde ich als eine Art  mentaler Verseuchung. 

Unzählige vermeintliche Fachleute aus den unterschiedlichsten Disziplinen  stehen auf der Bühne und präsentieren ihre Wahrheit als Wahrheit schlechthin. Verantwortlichkeiten werden hin und her geschoben. Wenn man dann noch ein wenig im Internet surft findet man gleich noch ein Dutzend andere Wahrheiten.  Jede klingt für sich irgendwie richtig. 

Das ist alles sehr verwirrend und verunsichernd. Was ist denn nun die wirkliche Wahrheit? Wer hat denn nun  tatsächlich Recht?Gibt es  überhaupt eine  Wahrheit oder ist das alles ein großer Irrtum? Das Vokabular reicht vom Killervirus und Kriegszuständen bis hin zum Aufstieg der Erde.  Fakt ist für mich: Es herrscht ein unglaubliches Durcheinander. Wer kann denn jetzt für Klarheit und Ordnung sorgen?

Mein Vertrauen in unsere Politiker ist diesbezüglich und generell nicht nur bei Null angelangt sondern definitiv weit ins Minus gerutscht.  Wie soll ich jetzt  auf die Entscheidungen von  Menschen vertrauen, hinter deren politischem Handeln in meinen Augen in erster Linie die Ausbeutung der Bevölkerung und der Erde steht.  Der längst hinfällige Solidaritätsbeitrag, die immense Rentenbesteuerung, die Privatisierung des Gesundheitswesens und der Pflegeeinrichtungen, die Verschwendung von  Unsummen öffentlicher Gelder,  Diätenerhöhungen, die nachweislich völlig sinnlose Sommerzeitregelung,  der kürzlich erlassene  Impfzwang sind nur einige Beispiele einer langen Liste. 

Mein Vertrauen hat sich in weitreichendes Misstrauen verwandelt. Das macht die Situation  definitiv nicht besser. Allerdings bin ich jetzt viel aufmerksamer und beobachte mit anderen Augen. Stelle Fragen und stelle in Frage.  Aktuell stehen verdammt viel offene Fragen im Raum. 

Ich frage mich vor allem: Wie lange halten wir diesen Zustand der autoritären Begrenzung und emotionaler tiefer Verunsicherung noch aus? Wie lange werden wir ihn noch erdulden?   

Da gibt es aber auch noch die andere Seite der Krisentage. In meiner Welt ist es ruhiger und stiller geworden.  Der Tage verlaufen gefühlt langsamer und träger.  Etwas sehr Ungewohntes. Mir ist allerdings klar, dass dies bei vielen anderen, insbesondere bei Familien, Alleinerziehenden oder jenen mit Existenzproblemen ganz anders sein wird. Ihnen gilt mein großes Mitgefühl.

Trotz der der Kontaktsperre  wird mehr und mehr Solidarität und Miteinander sichtbar. Ein interessantes  Phänomen. 

Und auch heute gehe ich mit der Frage ins Bett:  Wohin wird die Reise gehen?

Alles ist möglich - Auch das Unmögliche 

 

 

Mittwoch 25. März 2020

Angesichts der aktuellen Krisensituation erlebe ich mich - wie vermutlich viele andere auch - wie im freien Fall.  Unsere gewohnten Sicherheiten und Komfortzonen lösen sich auf. Von heute auf morgen stehen Existenzen auf dem Spiel. Eine Schreckensnachricht jagt die andere. Die angstschürende Informationsflut seitens der Medien überfordert mich. Wer kann mir sagen, was wirklich wahr ist? Gewohnte Strukturen brechen weg.... Übrig bleibt erstmal ein Chaos - im Außen wie innerlich.  Wir geraten in einen Strudel vielfältigster Emotionen. Ängste, Wut, Ohnmacht  gehören dazu. Das Gefühl des Ausgeliefert-Seins und  des Nichts-Tun-Könnens verursachen immensen Stress. 

Fakt ist: Niemand weiß wirklich wo die Reise hin geht. Niemand kann auf Erfahrungen mit so einer Krisen-Situation zurück greifen und kann sagen, wo und wie es lang geht... Es ist für alle absolutes Neuland. 

Nun geht es darum, dass wir alle diese Zeit so gut wie möglich überstehen. Dazu braucht es unsere Bereitschaft für ein solidarisches Miteinander und die Rückbesinnung auf das, was wirklich wichtig ist. Wir sitzen ja alle im selben Boot. Jetzt geht es nicht mehr nur um mich oder dich. Es geht um uns. 

Es liegt jetzt in unserer Hand, wohin die Reise geht... 

In diesem Sinne: Bleibt in der Zuversicht und haltet zusammen. 

Liebe Grüße

 

Corona: Krise und Solidarität als Entwicklungsbeschleuniger

Zitat: „Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

(Slavoj Žižek, aus Slowenien stammender Autor von über 60 Büchern, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden und einer der bekanntesten Philosophen der Gegenwart.)

 

 

Beispiel: Beispiele für aktuelle Solidaritäts—Aktionen findet man mithilfe der Suchmaschinen im Netz recht schnell. Hier unsortiert, in der Reihenfolge des Findens eine ganze Liste:

  • Borussia Dortmund unterstützt Dortmunder Gastronomie-Betriebe mit einer Spendenaktion;
  • Acht deutsche Musiker, darunter Max Giesinger, Nico Santos, Lea und Alvaro Soler geben ein kostenloses„#Wirbleibenzuhause-Festival“ vom heimischen Wohnzimmer aus und streamen es auf Instagram.
  • Der Lions-Club Ludwigsburg überreicht am Eingang der Notaufnahme des Ludwigsburger Krankenhauses um die Mittagszeit 60 Pizzen für das medizinische Personal.
  • Die Einzelhandels-Kette „Netto“ spricht in einer Werbeanzeige Dank und Wertschätzung an ihre Mitarbeiter aus, die gerade Besonderes leisten – und erwähnt in der Anzeige auch, dass das gleichermaßen für die Mitarbeiter der Mitbewerber Aldi, Lidl, Penny, Edeka, Rewe und Co gilt.
  • Allerorten gründen sich Nachbarschafts-Solidaritäts-Gemeinschaften. Freiwillige gehen Einkaufen, beaufsichtigen Kinder, erledigen Botengänge und stehen auf Anfrage bereit. Mehr Infos dazu unter dem Hashtag #NachbarschaftsChallenge.
  • Kirchen streamen ihre Gottesdienste verstärkt und bieten über das Internet auch Seelsorge an.
  • In Köln, Leipzig, Hamburg und weiteren Städten stellen sich Bürger nach italienischem Vorbild abends an ihre offenen Fenster und applaudieren, um mit dieser Geste "Corona-Helden" (Ärzten, Sanitätern, Krankenpflegern) zu danken.
  • Das Projekt „Gutscheine statt Klopapier“ ist als bundesweite Kampagne gestartet und ist ein Hilferuf für die stark betroffene Gastro-Branche. Spender können sich in beliebiger Höhe einen Gutschein runterladen, über Paypal bezahlen und in coronafreier Zeit in ihrem Lieblingslokal einlösen.
  • Der Wohnungsvermieter Stefan Reuther aus der Region Nürnberg geht mit gutem Beispiel voran – er kürzt gegenüber seinen Mietern ungefragt seine Mieten um 50%. Weitere Vermieter rufen inzwischen bundesweit auf, betroffenen Mietern die Miete zu erlassen. 
  • 121 deutsche Kunstsammlungen kann man virtuell über Google Arts & Culture besuchen.
  • Das Start-up-Unternehmen „Tictoys” schickt kostenlos Holzspielzeuge an Kinder in Quarantäne.
  • Weil in Essen eine Messe abgesagt wurde, benötigte die Bemis GmbH gebuchte Hotelzimmer nicht mehr und spendete Obdachlosen eine Nacht im Hotel. Es sei seit Jahrzehnten das erste Mal gewesen, dass er in einem richtigen Bett geschlafen habe, berichtete ein Obdachloser.

Mit mehr Zeit vor dem Rechner ließen sich viele weitere Beispiele finden.

 

Information: Ein Kriterium für Gewaltfreiheit ist nach Marshall Rosenberg, die eigenen Bedürfnisse nicht wichtiger zu nehmen, als die Bedürfnisse anderer Menschen. Insofern ist für uns Solidarität ein wichtiger Wert. Wir schätzen es sehr, wenn Menschen füreinander einstehen und sich gegenseitig unterstützen.

Was wir sehr beruhigend und erfreulich finden ist die Tatsache, dass die Solidarität, die wir heute beobachten können, nicht allein durch die Corona-Krise ausgelöst wurde. Der Wissenschaftler Heinz Bude lehrt an der Universität Kassel Makrosoziologie und stellt in allen westlichen Gesellschaften seit sechs bis acht Jahren die Tendenz des Rückzugs auf kleinere Einheiten, verbunden mit der Suche nach Sicherheit fest: „Die Gesellschaften fangen an, sich auf sich selber zu besinnen und Solidaritätsräume zu definieren.“

Auch wenn vielen Menschen nun eine Existenzkrise durch Pleiten, Insolvenzen und Arbeitslosigkeit droht, gehen Experten aber davon aus, dass die Krise auch positive Effekte für die Gesellschaft haben wird. Solidarität könnte künftig attraktiver sein, als die Ergebnis-Maximierung.

In seinem Artikel „Die Welt nach Corona“ schreibt Zukunftsforscher Matthias Horx, dass sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschieben wird: „Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?“

Vielleicht ist die Solidarität, die wir heute rasant zunehmend beobachten können gleichzeitig ein Vorbote und auch eine wichtige Grundlage für das, was nach Meinung von Horx schon bald kommen wird: Der Wandel einer menschlichen Zivilisation, die zu schnell und zu überhitzt geworden ist und die sich neu erfinden kann.

Wir wünschen uns, dass möglichst viele Annahmen aus dem Artikel schon bald Wirklichkeit werden. Träumen Sie mit:
https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/

 

Herausgeber:

Hartke Unternehmensentwicklung GmbH

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Fon: 05205 / 7290525 und Fax: 05205 / 7290527

http://www.ab-ins-kloster.de

© Copyright Anja Palitza und Olaf Hartke

   

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Wie Eltern ihren Kindern jetzt helfen können

Die Auswirkungen des Coronavirus verunsichern auch viele Kinder. Dabei können zum Beispiel Bilder von Menschen in Schutzanzügen und mit Atemmasken bedrohlich wirken. Kinder nehmen den Umgang ihrer Familie sowie ihres sozialen Umfeldes mit der aktuellen Situation sehr genau wahr. Eltern und andere Bezugspersonen stehen vor der Herausforderung, mit Kindern über diese möglicherweise belastende Situation zu sprechen und zum Beispiel häusliche Quarantänen zu organisieren.

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/wie-eltern-ihren-kindern-jetzt-helfen-koennen-1730182

 

Die Infos dürfen gerne weiter gegeben werden.